7 Wege in die Selbstständigkeit: Wie aus einem Drama ein Bauchladen und dann mein Business wurde

Aktualisiert: Aug 10




Inhalt



Ich war schon als kleines Kind sehr selbstständig


Unterordnen und mich einfügen war nie mein Ding. Als mich meine Mutter fragte, ob ich in den Kindergarten gehen möchte, wie all' die anderen, habe ich das aufs Schärfste abgelehnt. Ich wollte selbst bestimmen, raus in die Natur, Dinge entdecken, mich ausprobieren. Anweisungen und Hilfe, mich zu beschäftigen habe ich schon damals nicht gebraucht. Ich habe gerne gespielt, praktische Dinge gebastelt und mich in die Rollen von erfolgreichen Menschen versetzt. In Bücher konnte ich stundenlang abtauchen. Pippi Langstrumpf habe ich geliebt.


"Wenn ich einmal groß bin, färbe ich mir die Haare, lackiere meine Fingernägel und werde Chefin." (da war ich sechs).

Als Schulkind habe ich meine Hausaufgaben eigenständig und ohne Aufforderung gemacht. Ich wollte auch nicht von meinen Eltern unterstützt werden. Es machte mich total wild, wenn sie mir über die Schulter schauten. Ich war eine sehr gute Schülerin. Schon sehr früh bin ich alleine aufgestanden und habe mir mein Frühstück selbst gemacht. Meine Mutter hat mich morgens mit ihrer Fröhlichkeit genervt. Mit 12 habe ich bereits meinen Cousinen Nachhilfeunterricht gegeben und mein erstes Geld verdient.


Mit 14 habe ich meine Ausbildung als Bürogehilfin begonnen und war mit 16 bereits fertig. Ich bin von zu Hause ausgezogen, um 220 km entfernt als Verwaltungsangestellte meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Anfangs teilte ich ein Zimmer mit meiner Freundin (danke Christa, dass du mit gekommen bist) und hatte bald eine eigene Wohnung. Mit 17 meldete ich mich zum Führerschein an und kaufte mit 18 mein erstes Auto, den Renault 4 meiner Eltern. Freiheit und Unabhängigkeit waren mir schon immer sehr wichtig. Und ich wollte etwas Besonderes werden.


Parallel zu meiner Arbeit holte ich abends die Fachschulreife nach, wurde die jüngste Ausbilderin in Baden Württemberg und spürte, dass das erst der Anfang ist. Ich kündigte und studierte BWL im Saarland, parallel dazu absolvierte ich die Fachhochschulreife.


Alles lief nach Plan und ich war sehr zufrieden mit meinem Werk.



Doch dann begann der richtige Ernst des Lebens


Nach dem Studium war die Arbeitsmarktlage schlecht. Ich suchte deutschlandweit einen Job. Zunächst blieb ich im Saarland in einem kleinen Unternehmen hängen. Der Chef war mir zu einfältig und wollte mir außerdem an die Wäsche. Die Bilanzen haben nicht gestimmt und rechtlich war Einiges grenzwertig. Dort war ich ganz schnell wieder weg. Die Firma gibt es heute nicht mehr (Nr. 1)


Das nächste Abenteuer führte mich nach Königstein in den Taunus in eine Investitionsgesellschaft. Nachdem ich die Zahlen genauer betrachtet hatte, wusste ich, dass das Unternehmen keine Zukunft hat und habe während der Probezeit gekündigt. Die Firma ging ein Jahr später in Konkurs. (Nr. 2)


Mein dritter Arbeitgeber war eine kleine Firma, die mir gefiel, weil sie nachhaltige Energietechnik wie Windräder, Fußbodenheizungen etc. vermarktete. Ich fand das total spannend und wollte mich bestmöglich einbringen. Doch auch hier habe ich in die Bücher geschaut und wusste, mit diesem Boss hat das keine Zukunft. Als er anordnete, dass wir alle gemeinsam ein Handtuch in der Toilette verwenden sollen und die Post erst versendet wird, wenn jedes Gramm fürs Porto ausgenutzt ist, habe ich die Lust verloren. Auch diese Firma gab es nicht mehr lange (Nr. 3)



Dann hatte ich großes Glück


Ein alter Freund, den ich noch aus meinen Berufsanfängen kannte, rief mich an und sagte mir, dass die Firma in der er arbeitet, dringend jemanden wie mich sucht. (Danke, Michael)


Ich zögerte nicht lange und startete in einem damals recht großen und erfolgreichen IT-Konzern. Alles war auf Wachstum ausgerichtet. Der Unternehmensgründer war ein echter Visionär, der seine Firma in einer Garage gegründet hatte. Chefs und Mitarbeiter arbeiteten Hand in Hand und das Betriebsklima war Spitze. Jeder konnte sich mit seinen Ideen einbringen und recht frei arbeiten. Der Spaßfaktor war hoch. Wir waren in jeder Hinsicht sehr erfolgreich.


Doch dann starb ganz plötzlich der Unternehmensgründer. Die Vorstände betrieben Misswirtschaft und waren nicht in der Lage, das Werk fortzuführen. Und es kam, wie es kommen musste, der Konzern wurde von einem Großkonzern geschluckt. (Nr. 4)



Nun begann für mich das Drama


Wenn ein erfolgreiches Unternehmen ein anderes schluckt, bleiben die meisten Mitarbeiter*innen des geschluckten Unternehmens auf der Strecke. Sie werden zum Großteil abgewickelt. Im Großkonzern, in dem ich durch Betriebsübergang landete, war niemand aus meiner alten Firma langfristig erwünscht. Ich wechselte als Personalreferentin in die Personalabteilung und durfte schweren Herzens meine ehemaligen KollegInnen abfinden oder kündigen. Das hat mich psychisch sehr belastet.


Solange mein Wissen um die alten Strukturen erforderlich war, lief alles gut. Doch ich spürte mehr und mehr, dass ich eine Art Fremdkörper war. Mit der neuen Unternehmenskultur konnte ich mich nicht anfreunden. Das war mir zu eng. Zu viele Richtlinien, keine Möglichkeit der Entfaltung. Meine alten Kolleginnen aus der Personalabteilung haben das schneller verstanden als ich und gingen nach und nach. Nur ich blieb. Und das noch ganze 15 Jahre lang.



Meine Entscheidung für die Selbstständigkeit und der Start in mein Business


Ich hatte damals nicht den Mut, zu kündigen. Und da war auch wohl etwas Sturheit dabei. Als es für mich immer unerträglicher wurde und mein Körper mich mit einer sehr schmerzhaften chronischen Krankheit segnete, war mir klar, dass sich in meinem Leben etwas ändern musste. Als Personalerin plante ich strategisch meinen Abgang und verhandelte eine faire Abfindung, die mir über viele Jahre beim Aufbau meiner Selbstständigkeit ein gutes Polster war. Schon während dieser Zeit wusste ich, wie mein zukünftiges Business aussehen sollte und meldete mich mutig zur Ausbildung als ganzheitliche Gesundheitsberaterin an. Im April 2005 wurde ich freigestellt und konnte sofort loslegen. Ich wusste genau, dass dies mein Weg in die Freiheit und Unabhängigkeit sein würde, von dem ich als Kind schon geträumt hatte. Ich wollte endlich meine eigene Chefin sein.



Mein Weg in die Selbstständigkeit: Das größte berufliche Abenteuer meines Lebens


Ich danke dem Universum, meinem damals ungeliebten, faulen Vorgesetzten und einigen meiner KollegInnen dafür, dass sie mir das Leben so schwer gemacht haben. Dass ich so krank wurde und sämtliche Signale meines Körpers überhörte, habe ich mir selber zu verdanken. Ich hätte viel früher erkennen müssen, dass die Arbeit in einem so bürokratischen Konzern, in dem nicht der Mensch, sondern der Aktienkurs im Vordergrund steht, nicht zu meinen Werten passen. Wie auch immer:


"Auch schlechte Zeiten, die man durchlebt, haben am Ende etwas Gutes.
Und wenn es nicht gut war, war es noch nicht das Ende."