Mein erster Revolutionstag und was ich alles erlebt habe

Aktualisiert: 19. Nov. 2021

Am 30. Oktober gab es eine sehr interessente und lehrreiche Veranstaltung meines Partnerunternehmens. Am meisten inspiriert hat mit der Vortrag des Hirnforschers Dr. Volker Busch. Das Thema war: Einfach machen - keine Angst vor Veränderung.


Er schlug vor, dass wir einen persönlichen Revolutionstag für uns durchführen sollen. Alles was wir an diesem Tag tun, sollte anders sein als es unserer bisherigen Gewohnheit entspricht. Denn Dinge, die wir immer gleich tun, führen zu einem neuronalen Pfad. Die Nervenzellen werden immer stärker und andere werden schwächer. So entsteht ein Trampelpfad, den wir immer wieder beschreiten. Das macht Veränderung schwer.


Wenn wir neue Gewohnheiten etablieren wollen, ist es notwendig, diese Trampelpfade zu verlassen und neue Wege zu bilden. Dieser Gedanke hat mich so fasziniert, dass ich gleich am 1. November meine alten Pfade verlassen und meinen ersten Revolutionstag durchgeführt habe. Das Ergebnis kannst du hier nachlesen.


Inhalt:


Meine Fahrt ins Ungewisse


Ich wusste zunächst gar nicht, wo ich beginnen soll. Also habe ich mich erstmal gestylt und mich in Schale geschmissen. Denn das ist in den C...Zeiten so richtig zu kurz gekommen. Dann bin ich in die Straßenbahn gestiegen und habe mich Richtung Frankfurter Innenstadt fahren lassen. Der Plan war, an einer Haltestelle auszusteigen, an der ich noch nie ausgestiegen bin. Am Börneplatz signalisierte mir mein Gehirn, dass es jetzt soweit wäre.


Ich stieg aus, schaute mich in allen vier Himmelsrichtungen um, und die Entscheidung entfiel darauf, Richtung Kaiserdom zu gehen. Als ich davor stand, sagte mir meine innere Stimme, ich solle ein Live-Video in Facebook veröffentlichen. Öff! Das hatte ich so spontan auch noch nie gewagt. Ich habe mich getraut, und ich lebe noch, obwohl das Video nicht perfekt ist. Aber perfekt sein wollte ich eh nie.



Es geht immer aufwärts, und manchmal auch in Runden


Als ich so den Turm des Doms betrachtete, sagte mir meine innere Stimme, ich solle da hinaufsteigen. Ich????? Ich bin nicht gerade sehr sportlich, ich habe eine leichte Klaustrophobie und mir bleibt schnell mal die Puste weg. Dennoch habe ich meinen inneren Schweinehund besiegt und diesen Text gleich in mein Facebookprofil gestellt:


"Das war der Hammer! 328 Stufen nach oben, immer rund, rund, rund. Mir war ganz schön schwindelig, ich habe aus dem letzten Loch gepustet , mein Herz schlug bis zum Hals und teilweise hatte ich ein sehr beklemmendes Gefühl. Das Adrenalin hat richtig weh getan in den Muskelzellen. Meine Beine haben heftig geschlottert. Aber als ich endlich nach gefühlt einer Ewigkeit oben war, stellte sich Dopamin pur ein.


Ich habe meine Komfortzone verlassen, den inneren Schweinehund ruhig gestellt, meine Klaustrophobie beruhigt und diese traumhafte Belohnung bekommen.

Und nun sitze ich bereits bei meinem nächsten Abenteuer. Später mehr."




Mein 3-Gang-Menü und ich


Als sich der Hunger einstellte, schaute ich mich um und entdeckte gleich neben dem Dom ein Restaurant, in dem ich bisher nicht gewesen war.


So entstand mein nächstes Abenteuer. Ich habe mich noch nie am hellichten Tag alleine in Frankfurt in ein Restaurant gesetzt und ein ganzes Menü verspeist.


Warum eigentlich nicht? Wohl ein alter dummer Glaubenssatz, den ich gerade aufgegessen habe:


Essen gehen ist nur etwas für besondere Anlässe. Man isst kein Menü, wenn man schon nach der Hauptspeise satt ist. Kalorien zählen wäre eh besser. Das ist zu teuer. Eine Frau alleine im Restaurant wird immer komisch angeglotzt. Und das an einem MONTAG!!!

Das mache ich jetzt öfter.

Das Restaurant mit dem schönen Namen Cucina delle Grazie ist übrigens sehr empfehlenswert. Das Personal ist hoch professionell und sehr freundlich, das Essen lecker und das Ambiente wie in Bella Italia. Am liebsten hätte ich die restliche Karamellsauce aufgeschleckt. Aber so mutig war ich dann doch nicht.

Gut, dass ich heute nicht gefrühstückt habe.

Gemischter Salat, Nudeln in Tomatensauce und Windbeutel
Gemischter Salat, Nudeln in Tomatensauce und Windbeutel

Als ich das Lokal verließ, hatte es ordentlich angefangen zu regnen. Fast wäre ich in die nächste U-Bahn gesprungen und nach Hause gefahren. Aber echte Revoluzzerinnen tun so etwas nicht. Stattdessen ging ich in den Dom. Meine nächste Revolution entstand. So schrieb ich gleich in Facebook:


"Normalerweise schreibe ich nicht über Religion. Aber heute ist ja mein Ausnahmetag.

Ich bin vor einigen Monaten aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil ich mich mit deren Verhaltensweisen nicht mehr identifizieren konnte.


Heute stand ich vor dem Dom und fragte mich ernsthaft, ob ich noch da rein darf, um eine Kerze für meine lieben Verstorbenen anzuzünden. Mir wurde aber schnell bewusst, dass die Kirche und mein Glaube ja nicht dasselbe sind.

Als ich die -zig Opferstöcke gesehen habe, an denen überall Schilder angebracht waren, die zum Spenden aufforderten, wusste ich, dass meine Entscheidung richtig war.

Ich glaube und helfe auf meine Weise. Das fühlt sich für mich gut an. Ich bin jetzt im Reinen. Amen."

Rote Kerzen im Kaiserdom Frankfurt
Meine Kerze für meine lieben Verstorbenen brennt

Anmerkung meiner lieben Bloggerkollegin Uli Pauer, nachdem sie meinen Beitrag in Facebook las:


"Aus katholisch kirchenrechtlicher Sicht kann eine Taufe (=das Einstiegs-Sakrament) nicht annulliert werden. D.h. wenn du aus der katholischen Kirche ausgetreten bist, dann werden dir gewisse "Services" verweigert. Aber da du getauft bist und bleibst, kannst du dich (wenn du das möchtest) selbstverständlich nach wie vor als Christin fühlen. Solange du nicht die päpstliche Bannbulle in deinen Händen hältst, die deine Exkommunikation besiegelt, kannst du auch getrost jede Kirche betreten."


Danke, liebe Uli, du wandelnde Enzyklopädie. Das ist sehr beruhigend.


Wie ich ein Kaufhaus auf den Kopf stellen wollte und überrascht wurde


Diese Revolution wollte ich schon lange anzetteln. Ich wollte mal testen, wie es ist, wenn ich in ein richtig großes Bekleidungskaufhaus gehe und darum bitte, mir ausschließlich nachhaltige Waren zu zeigen. Ganz ehrlich, ich dachte, dass das sicher voll in die Hosen geht. Ich wollte auch nicht auf den Preis schauen, sondern einfach das Beste für mich.


Heute habe ich es gewagt. Ich bin zu Peek und Cloppenburg gegangen und habe mich in der Pulloverabteilung umgeschaut.


Eine sehr sympathische Verkäuferin fragte mich recht schnell, wo mein Interesse liegt. Sie führte mich gezielt an die richtigen Tische. Es gab sogar meine Wunschfarben. Die Beratung war vorbildlich. Die Verkäuferin war auch menschlich ein Traum. Sie hat sehr ähnlich getickt wie ich und sich richtig gerne Zeit genommen. Wir haben uns ausführlich über nachhaltige Lebensweise ausgetauscht.


Mit einem dicken Stapel Klamotten ging es dann in die Umkleidekabine. Was nicht passte, wurde von der netten Verkäuferin gleich ausgetauscht. Und sie brachte mir auch weitere schöne Stücke, die sie bei ihren Kolleginnen in anderen Abteilungen zusammengesucht hat. Kein Weg war ihr zu weit, und sie hatte ein gutes Auge.


Am Ende hat sich sogar noch eine zweite Beraterin um mein Wohlergehen gekümmert. Und ich konnte richtig gut erkennen, dass es ihnen großen Spaß gemacht hat.

Mein Vorurteil, dass es Unsinn ist, nachhaltige schöne Kleidung in Kaufhausketten zu suchen, ist aufgelöst. Und ein paar hundert Euro leichter bin ich auch. Das war es wert.

Was soll ich sagen? Ich war restlos begeistert.

Eine gute Stunde war ich dort und gar nicht genervt, wie sonst immer. Am Ende habe ich mich bedankt, der lieben Verkäuferin meine Visitenkarte mit einem 5-Euro-Gutschein überreicht. Vielleicht darf ich ja auch sie mal glücklich machen. Das würde ich echt sehr gerne.


Mal etwas essen was ich noch nie so gerne mochte: Sellerie


In meiner Kindheit gab es bei uns zu Hause nur diesen scheußlichen eingemachten Sellerie als Salat und manchmal auch versteckt im Eintopf. Damit konnte mich meine Mutter in die Flucht schlagen. Später konnte ich den Geruch von Sellerie nicht mehr ertragen.


Nun haben wir aber dieses Jahr wunderschöne Sellerieknollen in unserem Garten. Mein Mann hat es einfach mal ausprobiert ohne mich zu fragen. Als ich abends nach Hause kam, habe ich einen halben Kopf in Scheiben geschnitten und 15 Minuten in Wasser geköchelt. Mein Mann hatte noch leckere Reste von seinem Couscous-Gericht mit Kürbis, Paprika, Karotten und Chilli. Diese habe ich mit meinen Selleriescheiben gemischt. Es war total lecker. Der Sellerie hat wie Parfum gerochen. Ein Gedicht! Nun darf er auch in meinen regelmäßigen Speiseplan. Der Trampelpfad No Sellerie wurde erfolgreich vernichtet.


Fazit meines ersten Revolutionstages


Ich hätte nicht gedacht, dass mir das so großen Spaß macht.

Ganz nebenbei habe ich mich noch mit einigen Leuten sehr nett unterhalten.

Mir ist aufgefallen, dass die Menschen alle sehr offen und freundlich waren. Sie hatten richtig Lust darauf, zu kommunizieren.


Ich habe mich bewegt und wieder unter Menschen gemischt. Das fiel mir doch aus gegebenem Anlass in letzter Zeit ziemlich schwer. Auch mit Abstand ist es gut möglich.


Sehr freudig überrascht hat mich die positive Resonanz in den Kommentaren meiner Facebook-Posts.


Ich konnte Einige dazu motivieren, auch einmal einen Revolutionstag durchzuführen.

Eines ist sicher: Das mache ich jetzt einmal im Monat und gönne mir jeweils einen ganzen Tag dazu.

Ich bin jetzt noch ganz beflügelt und voller Freude über meine erste Veränderung.


Einmal am Tag werde außerdem ich etwas tun, das ich noch nie getan habe und meine Trampelpfade im Gehirn überschreiben mit neuen Wegen.


Hast du Lust, auch mal einen Revolutionstag auszuprobieren?

Schreibe mir oder erzähle mir davon. Ich bin sehr gespannt darauf.


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