Nachhaltig leben in der Krise, geht das?

Aktualisiert: 18. Okt.

Diesen Artikel schreibe ich für die Blogparade von Victoria Hirsch. Sie hat dazu aufgerufen, unsere Gedanken über die Energiekrise aufzuschreiben und ob wir uns Nachhaltigkeit noch leisten können. Ich möchte niemandem vorschreiben, wie er sein Leben zu gestalten hat. Vielmehr möchte ich dazu ermutigen, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten Gedanken darüber zu machen, was jetzt noch möglich ist. Daher gebe ich dir ein paar Beispiele, wie ich Nachhaltigkeit in mein Leben integriert habe.



Inhalt dieses Blogartikels:

  • Von diesen Krisen sind wir aktuell betroffen

  • Ich arbeite für ein nachhaltiges, klimaneutrales Unternehmen

  • Meine Kleidung ist bereits seit vielen Jahren nachhaltig

  • Ich habe meinen Twingo, Baujahr 1999, noch

  • Ich reise möglichst nachhaltig

  • So ernähren wir uns

  • So sparen wir Energiekosten

  • Unsere Wohnungseinrichtung

  • Meine 3 Tricks, die mic h vor unnötigem Konsum schützen - Trick 1 - Ich kauf nix !!! - Trick 2 - der Warenkorb - Trick 3 - Ich gehe nicht shoppen

  • Fazit


Von diesen Krisen sind wir aktuell betroffen


  1. Coronakrise

  2. Krieg gegen die Ukraine

  3. Energiekrise

  4. Klimakrise


Wir leben mit Krisen. Das ist schlimm, vor allem, wenn man nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügt. Dennoch bieten sie immer auch Chancen. Daher lohnt es sich jetzt mehr denn je, all diese Krisen zu nutzen, um sich Gedanken darüber zu machen, wie man Nachhaltigkeit jetzt noch besser in sein Leben integrieren kann. Wir wachsen nicht in der Krise, sondern daran, wie wir sie meistern.


"Wenn nicht jetzt, wann dann? Wer, wenn nicht ich?"

Wir können uns nicht leisten, unser nachhaltiges Verhalten zu reduzieren wegen der Krisen. Ganz im Gegenteil. Wir müssen es uns leisten!



Schil, von einem Mädchen gehalten. Save the planet..
Save the planet. Foto: wix

Ich arbeite für ein nachhaltiges, klimaneutrales Unternehmen


Seit 2010 bin ich RINGANA-Partnerin. Dieses Unternehmen hat sich bereits im Jahr 1996 Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben, obwohl dieses Wort damals noch nicht in unserem Sprachgebrauch war. So bin ich durch meine Arbeit nach und nach immer tiefer in die Thematik hineingewachsen.


Ich habe sofort begriffen, dass ich sämtliche Produkte aus meinem Badezimmer entferne, die den Menschen und der Umwelt schaden. Es ist mir leicht gefallen, diesen Rundumschlag zu machen. Denn ich wollte nicht nur für mich die beste Hautpflege, sondern auch kein Erdöl mehr in die Kanalisation befördern.


Schnell habe ich verstanden, dass ich viel weniger von allem brauche. Mir reicht ein Duschbad, ein Shampoo, eine Seife, eine Zahnpflege, 1 Deo, eine Körpermilch etc. Früher hatte ich ganze Bataillonen von unterschiedlichen Marken in meinem Badezimmer. Und meinem Mann ging es nicht anders. Heute haben wir viel mehr Platz im Bad.


Klar, dass ich auch in der Krise meine Produkte verwende. Ich habe das Glück, über gute finanzielle Mittel zu verfügen. Wäre das nicht so, würde ich lieber weniger Kleidungsstücke kaufen und vielleicht auf Schnickschnack verzichten.


Meine Kleidung ist bereits seit vielen Jahren nachhaltig


Dank meines nachhaltigen Business habe ich gelernt, dass es noch mehr zu tun gibt. Ich habe ja mit RINGANA das beste Vorbild. So begann ich, nach Unternehmen zu suchen, die nachhaltige Kleidung herstellen. Da waren anfangs Hess Natur, Gudrun Sjöden und Deerberg. Weitere kamen im Laufe der Zeit dazu. Wer so einkaufen möchte, wird feststellen, dass diese Firmen sehr oft Waren zu reduzierten Preisen anbieten. Sie sind dann nicht teurer als "Normale". Ich bevorzuge klassische Kleidung. Diese kann ich mehrere Jahre tragen und sie auch noch weiter geben, wenn sie mir nicht mehr gefällt.


Ich finde immer dankbare Abnehmerinnen. Kleidung, die geeignet ist, geht zur Familie nach Marokko. Andere verschenke ich in meinem Umfeld.


Schuhverrückt bin ich auch nicht mehr. Ich kaufe Schuhe, wenn ich welche brauche. In meinem Schuhschrank ist jetzt viel mehr Platz. Tragfähige Schuhe verschenke ich. Am meisten freut sich darüber meine Hausperle. Denn sie nimmt sie für ihre Mutter nach Kroatien mit, die genau meine Größe und meinen Geschmack hat.


Ich liebe es auch, in Second-Hand-Läden zu stöbern. Da finde ich oft noch richtige Schmuckstücke. Früher habe ich mit weiteren Frauen Kleidertauschbörsen organisiert. Leider ist das wieder eingeschlafen, weil Einigen die Arbeit zu aufwändig war.


Wer in der Krise nicht mehr so ein dickes Portemonnaie hat, kann seinen Kleiderschrank checken. Meist ist viel zu viel drin. Es kann Spaß machen, mal eine Modenschau für sich selbst zu starten. So kann man schauen, was gut zueinander passt und sich schöne Ensembles zusammenstellen. Ab und zu einen schicken Schal oder ein neues Tüchlein dazu, eine andere Kette, und schon hat man ein neues Outfit. Über Stücke, die man nicht trägt, freuen sich andere. Wenn es passt, kann man sich auch mit Freundinnen treffen und tauschen.


Wer begabt ist, kann seine Schätzchen auch upcyclen. Dafür habe ich leider kein Händchen. Aber reparieren mag ich gerne (bis auf die Unterhosen). Verschlissene Unterhemden werden bei uns Schuhputzlappen.

Als ich mich 2006 selbstständig gemacht habe, hatte ich Kleiderschränke, die aus den Nähten platzten. Ich hatte mir damals vorgenommen, fünf Jahre lang keine neue Kleidung zu kaufen, solange sie nicht verschlissen ist. Dabei habe ich viel Geld gespart, das ich für den Aufbau meines Business verwenden konnte, und es hat bis auf ein paar kleine neue Accessoires funktioniert.


Ich habe meinen Twingo, Baujahr 1999, noch


Seit Beginn der Corona-Krise habe ich angefangen, mein Auto immer weniger zu nutzen, da ich nicht mehr so viel fahren musste. Ich habe mir ein Jahresticket für den öffentlichen Personenverkehr für ganz Hessen gekauft und mich daran gewöhnt. Meinen Twingo habe ich aus nostalgischen Gründen noch. Er schaut mich immer so schön an. Aber irgendwann werden wir uns auch voneinander verabschieden.


orangener Twingo, Baujahr 1999
Mein Twingo, Baujahr 1999

In der Garage steht der Benz. Den brauche ich nur noch selten für Geschäftsreisen. Eigentlich auch Luxus, denn ich könnte mir auch einen Wagen leihen für die seltenen Fahrten. OK. Mein Mann hätte etwas dagegen, er liebt unser Auto.


Ich reise möglichst nachhaltig


Ich liebe es, zu reisen! Doch mir ist auch bewusst, dass es meinem grünen Fußabdruck schadet. In diesem Jahr war ich mehrmals in Deutschland mit dem Zug unterwegs. Es ist schon eine Umstellung, da nicht immer alles reibungslos läuft. Aber es lohnt sich in jedem Fall, auch für den Geldbeutel.


Strand von Plakias auf Kreta
Plakias auf Kreta. Einer meiner Lieblingsorte. Foto: Ich

Jetzt kommt bald das 49-€-Ticket in Deutschland für den öffentlichen Nahverkehr. Das kann und muss sich aus meiner Sicht jeder leisten, der zu einem besseren Klima beitragen möchte.


Eine Flugreise pro Jahr gönne ich mir. Derzeit bin ich im dreiwöchigen Urlaub auf Kreta.

Ich verzichte möglichst auf Langstreckenflüge, und Kreuzfahrten mag ich eh nicht.


Mir ist klar, dass ich noch mehr tun könnte. Lieber wäre es mir aber, wenn jeder Mensch sich etwas einschränken würde. Das hätte einen riesigen Effekt für die Umwelt und wäre mehr als ein Doppel-Wumms.


So ernähren wir uns


Mein Mann und ich haben seit 25 Jahren einen Schrebergarten. Er liegt mitten in Frankfurt und ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. In unserem Garten gibt es fast nur Nutzpflanzen. Da stehen Apfel- und Birnbäume, Feigen- und Aprikosenbäume. Auch Pflaumen gibt es. In der Saison haben wir alles, was wir zum Leben brauchen: Kartoffeln, Karotten, Paprika, Tomaten, Rote Bete, Kohlrabi etc. Und jede Menge Kräuter.


Frühlingsgemüse
Frisches Gemüse aus dem eigenen Garten. Foto: wix

Wer die Chance hat, kann sich einen Schrebergarten pachten. Das kostet wenig, macht auch Spaß, ersetzt den Sport und es bilden sich soziale Kontakte. Da werden fleißig Pflanzen und Lebensmittel getauscht und vieles an die Nachbarschaft verschenkt.


Ich ernähre mich seit 2018 nahezu vegan. Da kommt mir der Garten besonders zugute. Mein Auslöser war ein Vortrag von Richard David Precht anlässlich einer RINGANA-Veranstaltung. Er erläuterte, welch großen Schaden für unser Klima die Massentierhaltung verursacht. Vor allem Rindfleisch und Geflügel wird in viel zu großen Mengen produziert. Die Meere sind längst überfischt. Das ökologische Gleichgewicht ist schon lange gestört, und die Tendenz geht zu immer noch mehr tierischen Lebensmitteln.


Ich konnte damals von jetzt auf sofort kein Fleisch mehr essen. Mir war klar: hier kann ich am einfachsten etwas für unser Klima tun. Heute esse ich noch in Ausnahmefällen Fleisch, z. B. im Urlaub, wenn sich schlecht Alternativen finden. Und Eier von glücklichen Hühnern gibt es auch ab und zu. Mein Mann hat seine Fleischmenge auf 500 Gramm pro Woche reduziert. Er isst auch immer öfter vegan mit mir, vor allem die Bolognese.


Ich halte überhaupt nichts davon, in der Krise auf billige, minderwertige Lebensmittel umzuschwenken. Der Schuss geht nach hinten los. Denn es schadet auf Dauer der Gesundheit. Und der Mangel daran wird bekanntlich teuer. Wir werfen keine Lebensmittel weg. Man kann aus jedem Rest noch etwas Leckeres zaubern. Oft schmeckt es besser als das ursprüngliche Gericht. Danke Mama, von dir habe ich viel gelernt.


Wer über wenig Geld verfügt, kann sich einen Schrebergarten pachten, Fleisch- und Fischmenge reduzieren. Manche Gärtner sind auch froh, wenn ihnen Überschüsse abgenommen werden. Eine gute Alternative ist auch die Plattform Mundraub. Dort gibt es eine Landkarte, auf der markiert ist, wo man z. B. Bäume legal abernten darf. Urban Gardening wird auch immer beliebter. Das funktioniert sogar auf dem Balkon. Im Winter kann man Kräuter auf der Fensterbank züchten. Das sind nur einige Beispiele.


Vielleicht regen meine Vorschläge ja an, etwas am Verhalten zu ändern. Das ist gar nicht so schwer. Man muss es nur wollen. So entwickelt man mehr Achtung zu den Lebensmitteln. Selbst Kinder können das lernen.


So sparen wir Energiekosten


Auch das ist nichts Neues für meinen Mann und mich. Wir sparen nicht, weil wir Geldmangel haben, sondern weil wir die Umwelt schonen wollen. Wir duschen zwei Mal die Woche. Nassmachen, Wasser ausdrehen, einshampoonieren und einseifen, abspülen und am Ende mit kaltem Wasser abschließen. Das dauert 5 Minuten. Und es muss auch kein dampfendes Wasser sein, ist eh ungesund.


Die Heizung wird nicht auf volle Pulle angedreht. Wenn wir frieren, ziehen wir uns warm an und abends auf der Couch wartet die Kuscheldecke und warme Socken. Das ist so wohltuend. Zusammen kuscheln bringt übrigens noch mehr. Das Schlafzimmer ist bei uns nie geheizt. Wir haben schöne warme Schlafanzüge, eine Winterdecke und notfalls noch eine Wolldecke. Wenn meine Füße kalt sind, kommt die gute alte Wärmflasche zum Einsatz.

Und die Küche bleibt ebenfalls kalt.


Das Licht ist immer nur in den Räumen an, in denen wir uns bewegen. Verbesserungsbedarf haben wir bei unseren Küchengeräten wie Kühl-Gefrierkombination und Geschirrspüler. Die sind fast 10 Jahre alt. Das wird das nächste Projekt. Und mit einem neuen Duschkopf werde ich mich auch befassen.


Unsere Wohnungseinrichtung


Wir haben schon immer hochwertige Möbel gekauft. Unsere Ledercouch ist 25 Jahre alt. Jetzt ist sie allerdings zerschlissen. Im Wohn- und Esszimmer stehen antike Schränke. Das Schlafzimmer ist ebenfalls 25 Jahre alt, bis auf die Matratzen. Die Küche haben wir vor 10 Jahren erneuert. Das war nötig. Sie hält wahrscheinlich, so lange wir leben, bis auf die Elektroteile.


Unser Wohnzimmer bekommt ein Make over, wenn wir die neue Sitzgruppe kaufen. Das hält dann auch wieder zig Jahre. Ich halte nicht viel von ständigen Veränderungen in der Wohnung. Und ich bin auch kein Deko-Freak. Die schönsten Dinge finde ich eh in der Natur. Das kostet nichts.


Meine 3 Tricks, die mich vor unnötigem Konsum schützen


Ich bin keine Heilige. Manchmal packt es auch mich, und ich gerate in einen Kaufrausch. Das passiert vor allem im Frühling. Wenn die Werbung wieder so schöne bunte Kleider anzeigt. Auch Angebote sind immer wieder verlockend. Dann landet in meinem Online-Warenkorb jede Menge Zeug. Als ich angefangen habe, mich intensiv mit Ausmisten zu beschäftigen, ist mir einiges wie Schuppen von den Augen gefallen. Mein Kleiderschrank war voll mit Klamotten, die ich kaum getragen habe, manche nur ein Mal.


Ich habe für mich ein System entwickelt, wie ich das in Zukunft besser in den Griff bekomme.